50 Jahre Solbad[aus: Heimatblätter 2001, S. 25ff] 1950-2000: 50 Jahre Solbad Westernkotten GmbH von Wolfgang Marcus, Bad Westernkotten Während das Solbad Westernkotten von 1842 bis in die ersten Kriegsjahre des 2. Weltkrieges ein Badebetrieb in Familienbesitz war [vgl. Sprengkamp 1992], gelang es mit der Gründung der Solbad Westernkotten GmbH und der Aufnahme des Badebetriebes am 1. Mai 1950, den Badebetrieb in die öffentliche Hand zu legen [vgl. den Beitrag von Odo Frigger-Schäfer in den Heimatblättern 2000, S. 43-48] und somit die politische und wirtschaftliche Kraft zu entwickeln, das Unternehmen am Markt zu plazieren. Der folgende Beitrag möchte in einem knappen Überblick die 50 Jahre Revue passieren lassen. Er soll ein kleines Dankeschön an all die Männer und Frauen sein, die sich um unser Heilbad verdient gemacht haben. 1. Die Kurdirektoren Ewald Klinkhammer (1950 bis 31.1.1965) In einer Besprechung über das Solbad Westernkotten zwischen dem Provinzialverband und dem Kreis Lippstadt am 25.11.1949 regte Landesverwaltungsrat Paasch an, den Kurdirektor von Bad Waldliesborn, Ewald Klinkhammer (*1.2.1900, +19.2.1982), bezüglich der technischen und organisatorischen Fragen bei der Gründung des Solbades heranzuziehen und ihm gegebenenfalls auch die Geschäftsführung in Westernkotten zu übertragen. In Waldliesborn war der Kurbetrieb nach dem 2. Weltkrieg mit 270 Betten am 21.6.1948 wieder aufgenommen worden. 1950 wurden hier bereits wieder 4730 Kurgäste registriert [Hans-Gerd Hesper im Patriot vom 29.1.2000]. In einer Vereinbarung zwischen dem Provinzialverband, dem Amt Erwitte, der Gemeinde Westernkotten und der Bad Waldliesborn GmbH - die auch Anteile an der Solbad Westernkotten GmbH erwarb - wurde die Einstellung von Ewald Klinkhammer zum vorläufigen Geschäftsführer beschlossen. Diese Vorläufigkeit endete nach der Unterzeichnung des Gesellschaftervertrages Ende 1950, in der Klinkhammer zum Kurdirektor (Geschäftsführer) von Westernkotten bestellt wurde. Mit Ewald Klinkhammer stand ein Mann zur Verfügung, der seine großen Erfahrungen schon in der Gründungsphase der Solbad Westernkotten einbringen konnte. Die in Personalunion ausgeübte Leitung der Bäder Waldliesborn und Westernkotten hat sich in dieser Zeit als vorteilhaft erwiesen (Erfahrungsaustausch, Rationalisierungen, Synergie-Effekte). Ewald Klinkhammer war bis zum Erreichen seiner Altersgrenze am 31.1.1965 (anschließend noch 2 Monate auf Honorarbasis) für Bad Westernkotten tätig. In der Regel war er an zwei Tagen in der Woche vor Ort, ansonsten führte er die Amtsgeschäfte von Bad Waldliesborn aus. Helmut Werner Gröger (1965-31.5.1976) Da die Bäder Bad Westernkotten und Bad Waldliesborn mit der Führung durch einen gemeinsamen Geschäftsführer gute Erfahrungen gemacht hatten, wählte die Gesellschafterversammlung 1965 Werner Gröger (*12.5.1917,+18.101982), der zuvor neuer Kurdirektor von Bad Waldliesborn geworden war, auch zum Kurdirektor von Bad Westernkotten. In einem Beitrag von Helmut Werner Gröger für den Kreisheimatkalender 1976 kommt sein Amtsverständnis anschaulich zum Ausdruck: "Bis auf den heutigen Tag konnte durch vielseitige Initiativen der aus dem alten Salzwerk mit Solbad und Kindererholungsstätte hervorgegangene Bade- und Kurbetrieb des nunmehr weit bekannten Sol- und Moorbades Westernkotten stets auf dem neuesten Stand gehalten werden. Bad Westernkotten besitzt in seinen äußerst ergiebigen Solequellen und in dem gemeindlich unentgeltlich überlassenen „Muckenbrucher Moorvorkommen" in hohem Maße ortsgebundene, natürliche, wissenschaftlich anerkannte und durch Erfahrung bewährte Heilmittel des Bodens...Es werden alle für stationäre und ambulante Badekuren erforderlichen Kurmittel, einschließlich der ergänzenden kurörtlichen Behandlung, badeärztlich verordnet und die eigentlichen, oft differenzierten Anwendungen durch gezieltes Fachpersonal sorgfältig überwacht."[Kreisheimatkalender 1976, S. 68/69] Nach einer Mitteilung der beiden Bäder endete die Geschäftsführertätigkeit von Helmut Werner Gröger aus gesundheitlichen Gründen am 31.Mai 1976. Rudolf Hilger (1.6.1976-30.9.1976 - kommissarisch-) Nach dem Ausscheiden von Werner Gröger als Kurdirektor kam es zu einer Trennung in der Leitung der beiden Bäder. Zunächst übernahm Rudolf Hilger, der Kurdirektor von Bad Sassendorf, auf Bitten des Landschaftsverbandes die kommissarische Leitung der Solbad Westernkotten GmbH. Unterstützt wurde er dabei vor allem vom Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung, Stadtdirektor Josef Grumpe. Dieser brachte aus seiner Tätigkeit als Stadt- und Kurdirektor von Fredeburg auch große Erfahrungen aus dem Kurwesen mit. Josef Grumpe (1.10.1976- 30.11.1987) Als Rudolf Hilger mit Schreiben vom 16. Juli die kommissarische Leitung der Solbad Westernkotten GmbH niederlegte, führten verschiedene Überlegungen dazu, Stadtdirektor Grumpe auch zum Kurdirektor von Bad Westernkotten zu wählen. So wurde auf eine Ausschreibung verzichtet und Grumpe am 27.9.1976 gewählt. Die wichtigsten Gründe waren die Orts- und Fachkenntnis von Josef Grumpe, gemeinsame Interessen von Stadt Erwitte und Solbad sowie die schwierige Lage im Bäderbereich, die eine vorsichtige Ausgabenpolitik erforderte. Die Stadt Erwitte gab in der Ratssitzung am 11.10.1976 ebenfalls ihr Einverständnis, allerdings mit dem Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs, und so hatte Bad Westernkotten 1976 erstmals in seiner Geschichte einen eigenen Kurdirektor. In die Amtszeit von Kurdirektor Grumpe fallen wichtige und grundlegende Entscheidungen und Entwicklungen im Heilbad, so die Eröffnung der Hellweg-Sole-Thermen 1981 und die Anlegung der Kurpromenade 1981-1983. Josef Grumpe blieb bis zum 30.11.1987 im Amt des Kurdirektors. Kurz zuvor hatte der Rat der Stadt Erwitte beschlossen, die Ämter des Stadt- und Kurdirektors wieder zu trennen. Die neu zu besetzende Stelle wurde bundesweit ausgeschrieben. Peter Scheler (1.5.1988 - 30.9.1991) In der Zwischenzeit leiteten Dr. Siebecke als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, Hans Tünsmeier als stellv. Kurdirektor und Heinz Romweber als Prokurist die Solbad-Geschäfte [Patriot, 1.12.1987]. Am 1.3.1988 wählte die Gesellschafterversammlung Peter Scheler zum neuen Kurdirektor von Bad Westernkotten. Er war damals 41 Jahre, verheiratet und hatte zwei Kinder. Bis 1982 war er in der Finanzverwaltung tätig gewesen, seitdem stellvertretender Kurdirektor von Bad Brückenau. Am 2. Mai nahm er seinen Dienst auf und wurde am 4. Mai vor geladenen Gästen durch Dr. Siebecke offiziell in sein Amt eingeführt.[Patriot 5.u.6.5.1988] Heinz Romweber ( 1.10.1991- 31.12.1998) Am 20.8.1991 gab Kurdirektor Scheler der Öffentlichkeit bekannt, dass er zum 30.9. Bad Westernkotten verläßt und eine Stelle in Sachsen in den Staatsbädern Bad Elster und Bad Brambach antreten werde. Zum neuen Geschäftsführer wurde von der Gesellschafterversammlung der langjährige Prokurist Heinz Romweber ernannt.[Patriot, 24.9.1991] Die ersten Jahre der Amtszeit Heinz Romwebers waren vor allem durch eine finanzielle Konsolidierung geprägt. Seit 1996 hatte er sich zunehmend mit den zumeist negativen Folgen der Gesundheitsreform der damaligen Bundesregierung zu beschäftigen, was ihn auch gesundheitlich sehr forderte, so dass er zum 31.12.1998 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand trat. Am 12.1.1999 erfolgte die Verabschiedung von Kurdirektor Heinz Romweber im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung. Der Vorsitzende Heinz Steffen lobte die vorbildliche Arbeit Romwebers und stellten sein vielfältiges Engagement heraus. [Patriot 13.1.u.16.1.1999] Wilhelm Loth (seit 1.1.1999) Im März 1998 beschrieb der Aufsichtsrat der Solbad die Lage des Kurortes als „hochbrisant". Umgehend sollte bei der Solbad ein Assistent des Kurdirektors eingestellt werden, der entsprechende Marketingprojekte forcierte. Von den Kliniken, dem KVV und der Stadt wurde eine Kostenbeteiligung von jeweils 15 bis 20000 DM erwartet [Patriot 4.3.1998]. Am 15.8. nahm Wilhelm Loth, ein 32jähriger Diplom-Volkswirt, als Fachmann für Marketing bei der Solbad seinen Dienst auf. [Patriot 3.10.] Schon bald stellte sich heraus, dass Kurdirektor Heinz Romweber aus gesundheitlichen Gründen zum Ende des Jahres aus dem Dienst ausscheiden würde. Aufgrund seiner besonderen Eignung wählte deshalb der Aufsichtsrat Wilhelm Loth zum neuen Kurdirektor. Dieses Amt trat er zum 1. Januar 1999 an [Patriot 2.1.99].
September 1949: Dr. med. Albert Bisping eröffnet als 1. ansässiger praktischer Arzt in Westernkotten im Elisabethheim in der Aspenstraße eine Praxis 1950: Dr. Bisping bekommt die Anerkennung als Badearzt und übernimmt die Betreuung des Mütterkurheimes. Seine Praxis wird in einen Seitenflügel des Kurhauses verlegt. Ab 1957 praktiziert er in seinem neu errichteten Privathaus an der Weringhauser Straße 34. 1962-1967: Dr. H. J. Markgraf, der Badearzt von Bad Waldliesborn, übernimmt die Vertretung für Dr. Bisping. 16.5.1967: Als zweiter Badearzt läßt sich Dr. Friedrich Luce in Bad Westernkotten nieder; er praktiziert in den Räumen über der Kurverwaltung in der ehemaligen Gaststätte Besting an der Weringhauser Straße 1967: Tod von Dr. Bisping; Frau Dr. Elisabeth Kampik führt seine Praxis eine Zeit lang weiter; noch im selben Jahr übernimmt Dr. med. Wilhelm Antrop die Praxis. Dieser praktiziert später an der Aspenstraße. September 1970: Dr. Luce scheidet auf eigenen Wunsch als Badearzt aus. Sein Nachfolger wird der Internist Dr. med. Karl Friedrich. Ab 1974: In den Großkurheimen, den späteren Sanatorien und Kurkliniken, werden eigene Bade- und Fachärzte eingestellt, so im „Mühlenweg" Frau Dr. Kampik (bis Ende April 86), Herr Dr. Gerstberger und Frau Prof. Dr. med. Edelgard Heilmann (seit 1.1.1989); in der „Solequelle" unter anderem Dr. Friedrich als „freier Badearzt" und Dr. Chouffane; im „Wiesengrund" Dr. Wanic und Dr. Tschätsch. 1984: Dr. S. Kando übernimmt die Praxisräume über der Kurverwaltung, wo er bis heute tätig ist. 1.7.1991: Eröffnung der Praxis von Dr. Michael Esser, Auf der Brede 29a, der bis heute hier tätig ist. Ab 1.1.1994: Die Orthopädin Frau Dr. Felske-Adler wird erste Leiterin des Orthopädischen Zentrums der Solbad, ab 1.7.1998 führt sie in diesen Räumen, Mühlenweg 2, eine eigene orthopädische Praxis.
Zur Eröffnung des Badebetriebes im Mai 1950 wurde vom Landschaftsverband auch das an das Kurhaus angeschlossene Mütterkurheim in der ehemaligen Wiese'schen Scheune in Betrieb genommen. Damit standen die ersten 60 Betten für stationäre Gäste zur Verfügung. Sie sicherten der Solbad GmbH eine jährliche Mindestabgabe an Solbädern. Darüber hinaus war es aber notwendig, zusätzliche Betten für Kurgäste bereit zu stellen. Die ersten Kurgäste, die zur Kur nach Westernkotten kamen, mußten sich noch selbst um ein Quartier bemühen. Kurdirektor Klinkhammer, Dr. Bisping und Kurhauspächter Josef Marx sprachen in dieser Zeit persönlich Privatleute an, damit diese Zimmer in ihren Häusern zur Verfügung stellten. Im November 1950 konnte Kurdirektor Klinkhammer auf der Generalversammlung berichten, dass es gelungen sei, insgesamt 18 Privatzimmer bereitzustellen. Klinkhammer und Bürgermeister Duwentester hatten die Quartiere besichtigt und für ordnungsgemäß befunden. Als problematisch erwies sich, dass das zuständige Wohnungsamt wegen der herrschenden Wohnungsnot beabsichtigte, einen Teil der Zimmer wieder für Wohnungszwecke zu beschlagnahmen. Im Laufe des folgenden Jahres gelang es der Kurverwaltung, die Bettenzahl in den Privatpensionen auf 40 Betten zu steigern. So wurden beim Bau der Siedlung „Auf der Brede" und ab 1954 in der Fredegrassiedlung in den Häusern Zimmer zur Unterbringung der Kurgäste oft gleich eingeplant, auch um die Baukosten des Hauses tragen zu können. Im Jahr 1957 betrug die Bettenzahl bereits 248. 1961 zeigte sich in den Vorverhandlungen mit verschiedenen großen Versicherungsträgern, dass diese bereit waren, Bad Westernkotten in Zukunft zu belegen, wenn geeignete Pensionen zur Verfügung gestellt werden könnten, die den Gästen neben der Unterkunft auch volle Verpflegung bieten könnten. An solchen Beherbergungsbetrieben fehlte es jedoch 1961. Bis zu dieser Zeit wurde die Verpflegung der Kurgäste hauptsächlich im Kurhaus durchgeführt. Die Zimmervermieter erhielten dafür vom Kurhauswirt für eine Übernachtung 90 Pfennig, später dann 1,25 DM. Erst im Herbst 1961 wurde mit dem Bau von zwei Pensionshäusern begonnen, Haus Lüning und Haus Margareta. Die Unterbringung von Kurpatienten in Kleinstpensionen und „Behelfsräumen" wurde zunehmend aufgrund des fehlenden Komforts und der fehlenden Verpflegung nicht mehr akzeptiert, sondern führte zu Beanstandungen von Seiten der Entsendestellen. Da ein großer Teil der Umsätze mittlerweile durch die Entsendung von Versicherten der LVA Rheinland und Westfalen sowie der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) - hier bemühte sich besonders Dr. Markgraf, der vor seiner Tätigkeit in Bad Westernkotten bei der BfA beschäftigt war - erwirtschaftet wurde, erschien es der Kurverwaltung nötig, größere Kurheime mit 25-60 Betten durch Privatinitiative errichten zu lassen. Damit schied die Gruppe der Kleinstpensionen mit bis zu 6 Betten für eine Belegung durch die Versicherungsträger aus. Diese mußten sich nun durch eigene Anstrengungen um Gäste bemühen. Im Jahr 1965 war die Bettenzahl auf 450 gestiegen (50 im Kurhaus, 11 in Gasthöfen, 259 in Kurheimen und Fremdenpensionen, 90 bei Privatvermietern mit Frühstück und 40 bei solchen ohne Frühstück). 1971 läßt sich wieder ein Bettenrückgang ermitteln, der im wesentlichen auf der Bestimmung der BfA beruhte, den Gästen fortan nur noch Einzelzimmer zur Verfügung zu stellen. Zur Auslastung des im Bau befindlichen Moor- und Kurmittelhauses war es jedoch dringend erforderlich, die Bettenzahl zu steigern. Die BfA hatte Anfang 1972 signalisiert, in Bad Westernkotten weitere 120 Betten zu belegen. Aufgrund dieser Zusage wurde 1972 mit der Konzeption eines Großkurheimes, der späteren Kurklinik Mühlenweg, mit 102 Betten begonnen. Wegen der geringen Entfernung von 150 Metern zum neuen Kurmittelhaus wurde mit Billigung der BfA auf die Installation eines eigenen Anwendungsbereiches im Hause verzichtet. Nach seiner Fertigstellung im Oktober 1974 wurde das „Kurheim Mühlenweg" erstmals am 15.11. 1974 belegt. 1974 erhielt die „Kurheim Solequelle GmbH" nach Prüfung von Bauunterlagen die Belegungszusage der BfA. Das „Kurheim Solequelle" wurde im Mai 1976 mit 74 fertiggestellt. Eine Erweiterung um 36 Einzelzimmer erfolgte 1980. Bis zur Inbetriebnahme der beiden Kurheime hatte die BfA folgende Häuser in Bad Westernkotten belegt: die Kurheime Margareta (25 Betten), Schäfers (19), Wieners (13), Markoni (8) und Kaupmann (15) mit insgesamt 80 Betten. Nach Inbetriebnahme der beiden Großkurheime wurden diese Belegungen zum 31.3.1976 gekündigt. Als die Rezession 1976 die beiden Großkurheime und auch die Solbad GmbH in finanzielle Schwierigkeiten brachte, beantragte Kurdirektor Grumpe bei der BfA die Umwandlung in Sanatorien, um in Anbetracht einer fortschreitenden Klinifizierung der Kur einer drohenden Unterbelegung vorzubeugen. Die Zustimmung der BfA erfolgte nicht zuletzt deshalb, weil die Solbad sich verpflichtet hatte, den Weg von den Sanatorien zum Kurmittelhaus mit einer überdachten Pergola auszustatten. Diese Pergola wurde im Juli 1978 fertiggestellt. Im Laufe des Jahres 1982 wurde die zunächst offene Pergola zu einem witterungsunabhängigen geschlossenen Gang umgebaut, der unter der Straße Mühlenweg eine direkte Verbindung zwischen Sanatorien und Kurmittelhaus bildete. Die beiden Kurheime wurden im August 1977 in Sanatorien umgewandelt. Auch die LVA Westfalen zeigte 1978 ihr Interesse am Bau eines Sanatoriums. Seit 1960 hatte sie die beiden Kurheime Günnewig (22 Betten) und Lüning (42 Betten) belegt, die jedoch außerhalb des Kurgebietes lagen. Während das Kurheim Günnewig zu einem Altenpflegeheim umgewandelt wurde, bestand bei der Familie Lüning Interesse am Bau des Sanatoriums auf ihrem Grundstück neben dem Sanatorium „Solequelle". Nach Gesprächen mit der LVA begann der Bau im Mai 1979, die Fertigstellung erfolgte 1980. Auch dieses Sanatorium wurde durch eine Pergola mit dem Kurmittelhaus verbunden. Eine Erweiterung des Sanatoriums „Mühlenweg" auf insgesamt 160 Betten erfolgte 1988. Im Rahmen einer weiter fortschreitenden Klinifizierung der Kur erfolgte eine Umwandlung des Sanatoriums in die „Kurklinik" Mühlenweg. Die beiden anderen Sanatorien vollzogen diesen Schritt nur wenig später. Auch hier erfolgten jeweils noch Anbauten. Durch den Bau der Hellweg-Sole-Thermen 1981 wurde die Bettenzahl langfristig stabilisiert. So betrug sie 1983 802 Betten, 1984 waren es am Ende des Jahres 823 und Ende 1985 835 Betten, davon 311 in den drei Sanatorien. Die 1000er-Marke wurde erstmals 1990 durch die Eröffnung des Kurhotels Grüttner in der Salzstraße überschritten. Ende des Jahres 1993 lag die Bettenzahl bereits bei 1086. Ende 1995 waren es bereits 1216 Betten, davon 464 in den drei Kliniken. Bis Ende 1998 stieg die Zahl auf 1235 Betten, davon 459 in den drei Kliniken. Vor allen durch den Konkurs der Kurklinik Mühlenweg Ende 1999 ist die Bettenzahl in 1999 wieder deutlich gesunken. Sie betrug Ende 1999 1065 Betten. Die genaue Entwicklung der Bettenzahlen seit 1972 geht aus der Abbildung 1 hervor. Abbildung 1: Entwicklung der Bettenzahl
Hier soll nur anhand diverser Tabellen und Grafiken die Entwicklung dargestellt werden. Eine weitergehende Erläuterung würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.[vgl. dazu u.a. Frigger-Schäfer 1991, S. 73-81 und Strukturdaten zu den Kurgästen auf den Seiten 81-92]. Abbildung 2: Entwicklung der KurgastzahlenZur Erläuterung: Hier sind alle Gästegruppen zusammengefaßt. Sozialkurgäste sind solche, die ihre Kur von einem Leistungsträger (Rentenversicherung oder Krankenkasse) ganz oder teilweise bezahlt bekommen. Privatgäste sind diejenigen, die stationär im Heilbad wohnen, aber gegenüber der Kurverwaltung ihre Kur selbst bezahlen (z.B. Privatgäste). Als ambulante Kurgäste gelten solche Patienten, die ihr Quartier außerhalb des Kurortes haben und zu den Anwendungen anreisen. Abbildung 3: ÜbernachtungszahlenAbbildung 4: Pflegetage der RentenversicherungsträgerAbbildung 5: Verabreichte Kurmittel
Hier sollen in tabellarischer Form wichtige Entwicklungen bei der Solbad wie etwa der Ausbau der Kuranlagen, aber auch Veränderungen im Ort Bad Westernkotten, soweit sie unmittelbar mit dem Kurbetrieb zu tun haben, aufgelistet werden. 30.1.1950: Bildung einer „Interessengemeinschaft Solbad Westernkotten" 27.2.1950: Die Interessengemeinschaft kauft vom Markgraf von Meissen den heutigen Kurpark, die Solerechte und die Gradierwerke Frühjahr 1950: Erste Anpflanzungen im Kurpark, Anlegung erster Wege 1.5.1950: Eröffnung des Badebetriebes 17.7.1950: Festakt zur offiziellen Eröffnung des Heilbades 29.12.1950: Unterzeichnung und Beurkundung des Gesellschaftervertrages Dezember 1950: Gründung eines Heimat- und Verkehrsvereins, der sich allerdings schon etwa 1953 wegen „allgemeiner Interessenlosigkeit" auflöste Bis Ende 1951: Im Kurpark sind mehr als 14 000 Bäume gepflanzt, größtenteils vom Landschaftsverband zur Verfügung gestellt. Ab 1952: Das Muckenbruch wird nach und nach durch Wanderwege erschlossen 1953: Am „Tag des Baumes" pflanzen Schulkinder mit Lehrer Schäfers weitere Bäume und Sträucher im Kurpark 1954: Das große Gradierwerk entlang der Weringhauser Straße wird wegen Baufälligkeit abgerissen 1957: Anlegung eines Minigolf-Platzes und einiger Federball-Plätze am zweiten Gradierwerk 1957: Gründung der Kurbad-Drogerie 1957: Als Nachfolger des Ehepaares Marx übernimmt das Ehepaar Pollmeier die Führung des Kurhauses 1958: Beginn der Aufforstungen im Niedermoorgebiet Muckenbruch 1958: Verleihung des neuen Gemeindenamens „Bad" Westernkotten im Rahmen der 700-Jahr-Feier der Gemeinde; in einem Heimatbuch wird auch die Geschichte des Salzes und des Heilbades anfanghaft aufgearbeitet. 1958: Einweihung des Denkmals für Pfarrer Korte im Kurpark 1958: Einweihung der Kurhalle im Kurpark am 4.11. 1959: 2 der 3 Salzbrunnen auf dem Königssood werden endgültig zugeschüttet 1961: Bau eines neuen Kurmittelhauses, das spätere „Haus des Gastes" 1961: Das Wall-Café, das erste Café des Ortes, wird eröffnet, ebenso der Kiosk Konieczny (bis 1987) 1962: Eröffnung der Gaststätte „Treffpunkt" 1963: Nach der seit 1903 ansässigen Volksbank eröffnet in diesem Jahr eine Filiale der Sparkasse Erwitte-Anröchte in Bad Westernkotten 1964: Bau der Kläranlage Bad Westernkotten 1965: Helmut Werner Gröger wird neuer Kurdirektor 1965: Erweiterung der Kurhalle, unter anderem mit einem Kursaal und Bühne 1967: Anlegung des Forellenweges als Verbindung zwischen Kurpark und Muckenbruch 1967: Neuer Badearzt wird Dr. med. Wilhelm Antrop 1968: Erbohrung einer zweiten Solequelle „Im Westerfeld" 1968: Gründung des 1. Senioren- und Pflegeheimes im Ort 1968: Ausbau des historischen Königssoodplatzes zum Parkplatz mit Grünanlage 1969: Erweiterung der Kurhalle 1969: Errichtung des Dorfbrunnens am Alten Markt zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität 1970: Das Ehepaar Labusch übernimmt das Kurhaus und führt es bis 1982 1971: Die Solbad kauft von Frau Ida Wiese ein Grundstück für den Bau eines neuen Kurmittelhauses; das bedingt eine Stammkapitalerhöhung 1972: Gründung der Brunnenapotheke 1973: Am 11.2. nach zweijähriger Bauzeit Eröffnung des heutigen Kurmittelhauses an der Weringhauser Straße, das nach den Plänen des Architekten Westerfeld als zwei- und dreigeschossiger Baukörper mit 8300 m³ umbauten Raum errichtet wurde. 1973: Bau des großen Auffangparkplatzes am Ortseingang an der Nordstraße 1973: Im Muckenbruch werden weitere Wanderwege, ein Trimm-Dich-Pfad, weitere Anpflanzungen und ein Tretbecken angelegt 1974: Erste Salinenkirmes der Georgspfadfinder im Kurpark 1974: Eröffnung von „Haus Westerntor" 1975: Bad Westernkotten verliert mit dem 1. Januar seine politische Selbständigkeit und wird ein Teil der neu gegründeten Stadt Erwitte 1975: Staatliche Anerkennung als „Heilbad" am 25.3. 1975: Eröffnung des Kurheims „Mühlenweg", seit 1989 Kurklinik 1976: Gründung des Kur- und Verkehrsvereins 1976: Die Stadt Erwitte beschließt die 1. Kurbeitragssatzung 1976: Stadtdirektor Josef Grumpe wird zum Kurdirektor gewählt 1976: Anlegung des Springbrunnens vor der Kurhalle im Kurpark 1977: Eröffnung von „Café Gerling" 1978: Eröffnung des Sole- und Moorbadehauses als Anbau an das Kurmittelhaus; das seit dem 9.1.1978 leerstehende alte Badehaus wird in das „Haus des Gastes" umgestaltet und als solches im September 1978 eingeweiht 1978: Das Haus Speckenheuer, 1976 von der Solbad gekauft, wird abgerissen; von hier am „Haus des Gastes" vorbei bis zum Ronnedoil entsteht ein neuer Fußweg. 1978: Eröffnung des Großparkplatzes am Solering 1978: Anlegung des großen Springbrunnens im Kurpark 1979: Eröffnung eines Tennisplatzes am Kurpark 1980: Bau des Solerings 1981: Einweihung der Hellweg-Sole-Thermen am 30.10. durch Landesarbeitsminister Prof. Friedhelm Farthmann (SPD); staatliche Anerkennung der Heilquellen 1981: Gründung der Heimatfreunde Bad Westernkotten 1982: Eröffnung der Gaststätte „Sälzerhof", heute „Jade-Garten" 1983: Nach drei Jahren Fertigstellung der Kurpromenade bis zur Straße Westerntor 1983: Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wird das Kurhaus am 25.3.1983 wieder eröffnet; neuer Pächter ist das Ehepaar Hardt. 1983: Eröffnung des Park-Cafés 1983: Einsturz eines 15 Meter langen Teilstücks des 1. Gradierwerks am 26.6. 1984: Die täglicher Besucherzahl in den Thermen erhöht sich auf über 1000; am 11.2. wird ein „Römisches Dampfbad" und ein Sonnenstudio in Betrieb genommen. 1985: 1. Erweiterung der Hellweg-Sole-Thermen: ein Therapiebecken kommt hinzu, die Vitaminbar wird vergrößert; ein kleines Therapiebecken im Obergeschoss wird dem Saunabereich zugeordnet 1985: Installation einer modernen Mooraufbereitungsanlage im Kurmittelhaus 1985: Beginn der Sanierung des 1. Gradierwerks in drei Bauabschnitten (bis 1990/1991) 1986: Eröffnung von „Moden am Kurhaus" und weiterer Einzelhandelsgeschäfte 1988: Peter Scheler übernimmt das Amt des Kurdirektors von Josef Grumpe 1988: Erstes Kurkonzert des Musikvereins Bad Westernkotten 1988: Die Kurverwaltung in der ehemaligen Gastwirtschaft Besting erhält einen behindertengerechten Eingang 1988: Fertigstellung der großzügigen Sauna- und Dampfbadanlage in den Hellweg-Sole-Thermen mit einem Kostenaufwand von 5 Mio. DM am 7.12.; Neugestaltung des heutigen Kurparkeingangs 1989: Erstes Lampionfest im Kurpark 1990: Einweihung des Kurhotels Grüttner 1990: Der Minigolf-Platz und weitere Spielmöglichkeiten werden vom 2. Gradierwerk in den Nahbereich der Thermen verlegt. 1990: Zur Lösung der Verkehrsprobleme wird als erster Schritt die Kreistraße 56 (Westerntor) zur Gemeindestraße herabgestuft 1991: Abschluß der umfassenden Sanierung des 1. Gradierwerkes für mehr als 3,3 Mio. DM 1991: Am 23.1. Beschluß der Solbad-Gesellschafterversammlung, einen Aufsichtsrat zu installieren 1991: Umfangreiche Rechts-vor-links-Regelungen im Ort 1991: Eröffnung der Arztpraxis von Michael Esser 1991: Kurdirektor Scheler wird ab 1.10. von Heinz Romweber abgelöst 1992: Die Kurverwaltung ist ab 1.1. im „Haus des Gastes" untergebracht 1992: Beginn des Umbaus der Salzstraße zur Kurpromenade 1992: Feier „150 Jahre Sole zu Heilzwecken" 1993: Heinz-Martin Brüggemeier neuer Pächter des Kurhauses 1993: Neugestaltung der Kurhalle mit Vorplatz 1994: Eröffnung des Orthopädischen Zentrums 1994: Erster historischer Rundgang für Kurgäste 1994: Fertigstellung des Parkplatzes gegenüber dem Friedhof 1994: Einweihung des neugestalteten Königssoodplatzes 1994: Einweihung der Schäferkämper Wassermühle 1994: Bau des neuen Brunnens aus 7 Granitscheiben und Edelstahl in der Kurpromenade vor den Hellweg-Sole-Thermen 1994: Übergang des ärztlichen Dienstes an die Kurkliniken 1995: Einweihung des Brunnens vor dem Eingang der Hellweg-Sole-Thermen und des Friedens-Globus 1996: Erweiterung der Hellweg-Sole-Thermen: ein weiteres Therapiebecken, Ruheräume und ein Kneipp-Bad kommen hinzu. 1996: Abschluß der umfassenden Sanierung des 2. Gradierwerks 1996: Wiederaufbau des historischen Kornspeichers im Garten des Kurhauses 1996: Gesundheitsreform: 1. Stufe des Neuordnungsgesetzes 1997: Enorme Einbrüche im Rehabereich durch die 2.und 3. Stufe der Gesundheitsstrukturreform der damaligen Bundesregierung; umfassende Personalreduzierungen im Kurmittelbereich 1997: Nochmalige Erweiterung und Modernisierung der Hellweg-Sole-Thermen und der Sauna. 1998: Anfang des Jahres wird die Kurverwaltung vom „Haus des Gastes" in das Kurmittelhaus verlegt, wo in Parterre ein Schalterraum entsteht. 1998: Im April gehen die drei Heilbäder des Kreises mit einem gemeinsamen Prospekt an den Markt, Teil der verstärkten Zusammenarbeit 1998: Ab 1. Juli eröffnet Frau Dr. Felske-Adler eine orthopädische Praxis in den Räumen des Orthopädischen Zentrums 1998: Der Kurhauspächter verläßt von heute auf morgen das Objekt; ihm wird die Verpachtung aufgekündigt; ein langer Rechtsstreit beginnt 1998: Gründung der Hellweg-Sole-Thermen Betriebsgesellschaft 1998: Ausbau des Kurparks und Umbau der Kurhalle 1998: Erweiterung der Vitaminbar 1999: Wilhelm Loth wird neuer Kurdirektor 1999: Verlängerung der Kurpromenade bis zur Ortsmitte 1999: Ab Anfang Januar bleibt das Kurhaus geschlossen; Bestrebungen, das ganze Objekt neu zu verpachten oder zu verkaufen 1999: Die Kurklinik Mühlenweg meldet Konkurs an 2000: Bürgermeister Wolfgang Fahle wird am 14.2. neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates 2000: Verkauf des Kurhauses einschließlich des früheren Mütterheimes und des „Haus des Gastes"; Abriss des Mittelteils des Kurhauses, Beginn des Neu- und --umbaus 2000: Offenlegung des Osterbaches in Teilbereichen und Verlängerung der Kurpromenade bis zur Einmündung Bruchstraße (in Vorbereitung) Anhang:
Amtdirektor Mathias Hebenstreit, Erwitte 1950 - 1952 Amtsdirektor Franz Reichmann, Erwitte 1952 - 1976 Stadtdirektor Josef Grumpe, Erwitte 1976 Kreisdirektor Dr. Friedrich Siebecke 1976 - 1991 LWL-Mitglied Klaus Schwickert 1991-1995 LWL-Mitglied Heinz Steffen 1995- 2000
Klaus Schwickert, Bielefeld (LWL), 22.5.1991 - 8.2.1995 Heinz Steffen, Unna (LWL), 8.2.1995- 14.2.2000 Wolfgang Fahle, (Stadt Erwitte), ab 14.2.2000
1950 bestanden folgende Beteiligungen an der Solbad Westernkotten GmbH:
Nach der im Zusammenhang mit dem Bau des Kurmittelhauses 1973 notwendig gewordenen Kapitalerhöhung und der kommunalen Neuordnung 1975 verteilten sich die Geschäftsanteile wie folgt:
1993 verkaufte die Stadt Lippstadt ihre Geschäftsanteile an die Stadt Erwitte. Gleichzeitig wurde eine Kapitalerhöhung von 2 Mal 363 300 DM beschlossen, die der Landschaftsverband und die Stadt Erwitte erbrachten. 1995 veräußerte die Stadt Geseke ihre Anteile an die Stadt Erwitte. 1996 veräußerte dann die Gemeinde Anröchte ihre Geschäftsanteile, ebenfalls an die Stadt Erwitte. So ergibt sich im Jahre 2000 folgendes Bild bei den Geschäftsanteilen:
4. Personalbestand der Solbad Westernkotten GmbH (jeweils 31.12.) Der Badebetrieb am 1.5.1950 wurde mit drei Vollzeitkräften aufgenommen: ein Schlosser und ein Installateur zur Wartung der Betriebsanlagen (Herr Stillecke) sowie ein Heizer und Arbeiter zur Wartung der Gradierwerke (Herr Dietz). In der Kurverwaltung wurden die anfallenden Arbeiten von einer Bürokraft (Frau Kohlberg) wahrgenommen. Die Buchführung wurde von Kurdirektor Klinkhammer selbst erledigt. Im eigentlichen Badebetrieb waren drei Bade- und Putzfrauen und eine Hilfskraft für den Inhalationsraum tätig, die alle im Stundenlohn bezahlt wurden. Insgesamt waren also 9 Personen bei der Solbad beschäftigt. Die Zahl der Arbeitskräfte der Solbad ab 1973 bis heute geht aus der Abbildung 6 hervor (Summe aus Angestellten, Arbeitern und Aushilfskräften):
Wichtige Quellen und Literatur:
Fotos:
Dazu 6 Abbildungen (Diagramme) |
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